bad trip

Dieser Blog möchte über SSRI/SNRI-Antidepressiva aufklären. 
Entgegen gängiger Aussagen der psychiatrischen Fachwelt sind moderne Antidepressiva keine harmlosen Helfer mit bestenfalls geringer Placeboüberlegenheit, die sich ohne Weiteres An- und Absetzen lassen. Im Internet organisieren sich immer mehr Betroffene, die Schwierigkeiten mit dem Absetzen haben, die trotz Ausschleichens in Zustände kaum vorstellbaren Leidens geraten. Ein vielgestaltiges Leiden das missverstanden, falsch deklariert und auch durch Wiedereindosierung in einigen Fällen nicht gelindert werden kann. Ein Leiden das traumatisieren und in den Suizid führen kann. Die Betroffenen werden nicht ernst genommen, ihre Beschwerden werden als Rückfall oder Neuerkrankung fehlgedeutet, sie geraten in Medikamentenkarusselle und verlieren das Vertrauen in ihre psychische Gesundheit. Über etwaige Risiken beim Absetzen oder die Notwendigkeit eines langsamen Ausschleichens wurden die meisten nie informiert. Vielmehr wird die Existenz einer Absetzproblematik konsequent marginalisiert oder gar geleugnet und es werden fortdauernd Medikamente verordnet, deren Langzeitgebrauch nie untersucht wurde. Die Gewinne der Hersteller bleiben gesichert und das Gesicht der psychiatrischen Zunft bleibt gewahrt.

Aus dem Leben gefallen

Ich habe 14 Jahre lang ein SSRI-Antidepressivum genommen. Jeder Versuch es abzusetzen brachte verstörende Symptome hervor, die mich nach kurzer Zeit wieder eindosieren ließen. Ich verblieb mit der bitteren Ahnung, dass da etwas sehr Krankes in mir zu schlummern schien, etwas, dass nur die Pillen in der Lage waren zu bändigen. Dennoch trat ich einen weiteren, letzten Versuch an das Medikament loszuwerden, welcher ein fatales Ende nahm.

Das Grauen

Es gibt Gefühle, die kann man sich nicht vorstellen, die gehören nicht zum gängigen emotionalen Inventar eines Menschen. Sie können entstehen, wenn man es wagt das feine biochemische Gefüge im Nervensystem zu beeinflussen. Es ist wie der "badtrip" beim Drogenkonsum, nur länger, ausdauernder, grauenvoller. Ich musste durch diese Gefühle durch, immer wieder und wieder. Gefühle die die Wortgrenze passiert hatten - sie entzogen sich jeglicher Beschreibungsversuche.

Wellen und Fenster

Das ganze hat einen seltsamen Verlauf. Es gibt Wellen in denen man nur mehr aus Symptomen besteht, in denen man von Stunde zu Stunde irgendwie überlebt. Und dann gibt es Phasen, in denen etwas Ruhe einkehrt, etwas Normalisierung geschieht, meist ist man einfach dumpf, aber es gibt eine Art Erträglichkeit des Daseins. Und dann gibt es Fenster, das vielleicht seltsamste Phänomen. Fenster sind Momente, in denen plötzlich alles ruhig wird, in denen Dinge wieder "normal" spürbar werden, in denen der Terror anhält, die Musik wieder klingt, die Berührung wieder wohltut und die Wahrnehmung aufgeklart ist. Ganz plötzlich sind sie da und so plötzlich schließen sie sich auch wieder. 

1/2 Schritt vor, 5 zurück


Big Pharma und ihre Schergen

Psychiater/-innen und Hausärzt/-innen verschreiben Dir, oft nach kurzer Zustandsklärung, Antidepressiva. Sie setzen Dich aufs Gleis und los geht die Fahrt. Wie Du anhältst und aussteigst, das sagen sie Dir nicht. Und wenn Du Probleme hast beim Aussteigen, dann bist Du das Problem. Immer bist es Du.

Informationen

Wie überlebt man etwas, das so bizarr ist, dass man es nicht in Worte fassen kann? Man hält es aus. Und man sucht nach Antworten, nach Erklärungen. Irgendwann entdeckte ich im Internet die Orte, an denen alle Betroffenen früher oder später strandeten. Es hatten bereits viele andere in diversen Plattformen ihre Geschichten erzählt und Informationen zur Thematik gesammelt. Dies war von unschätzbarem Wert für mich. Da waren Menschen, die Worte gefunden hatten für das, was mit mir geschah. Erstmalig gab es ein klein wenig Ordnung in diesem haltlosen Chaos. Ich las in deutschen und internationalen Foren, lass Blogs und Erfahrungsberichte, bestellte mir Bücher und verzehrte Studien - ja, es gab sogar wissenschaftliche Studien. Und alle bestätigten das, was ich erlebte. Ich war nicht allein. 

the only way out is through

Es gibt leider nur einen einzigen Weg heraus und der führt mitten hindurch.

Auch wenn es sein kann, dass Du zu den Menschen gehörst die ohne größere Schwierigkeiten ihr Medikament absetzen können, oder wenn Dir das bei einer früheren Einnahme schon problemlos gelungen ist, solltest Du es nicht darauf ankommen lassen, vor allem nicht, wenn Du das Medikament schon über einen langen Zeitraum einnimmst! Betroffenenverbände raten dringlich zur langsamen Reduktion um 5-10% der jeweiligen Dosis alle 4-8 Wochen und für einige Menschen ist selbst das noch viel zu schnell.